Man weiß ja mittlerweile wie das funktioniert, mit den Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaften stellen Forderungen auf, die Arbeitgeber brechen in bittere Tränen aus, werfen sich schreiend auf den Boden, zappeln mit die Beene und heulen Rotz und Wasser! Die Preise steigen, besonders in Inflations-Zeiten durch die Decke, während die Löhne erstmal gleich bleiben! Kommt dann der Tag, an dem die Tarifverträge auslaufen heran, dann beginnt bei den Arbeitgebern das große Gejammer! Ach, die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind ja so schlecht wie nie, also muss gespart werden, am liebsten wäre es ihnen, wenn die Löhne sänken. Aber das funktioniert in der Regel so nicht. Aber Lohnerhöhungen, vor allem in dem Rahmen, wie ihn die Gewerkschaften fordern, Gottbewahre! Dann wird auf einmal von Sozialpartnerschaft geredet und allerlei seltsamen Dingen, die den Arbeitgebern sonst am Arsch vorbei gehen! Aber wenn die Zeiten so schlecht sind wie gerade, dann darf der Arbeitnehmer keine „überhöhten“ Forderungen stellen. Schließlich will er einen sicheren Arbeitsplatz, nicht wahr? Sind die Zeiten aber gut und sprudeln die Gewinne, dann mag man auch keine Lohnerhöhungen zahlen. Denn dann muss man sich auf die kommenden schlechten Zeiten vorbereiten und das geht ebenfalls nicht, indem man die Löhne erhöht. Das Kasperletheater ist kein Neues. Aber es ist das ewig gleiche Lied der Arbeitgeber. Die denken sich: „Selber fressen macht fett!“ Also möglichst wenig zahlen wollen, selbst in Phasen akuten Arbeitskräftemangels, damit man die Aktionäre bei Laune halten kann. Die schaffen zwar nichts fürs Unternehmen und schon gar keinen Mehrwert, aber man muss sie irgendwie belohnen für ihr Investment! Und so lässt sich die Post nach drei Verhandlungsrunden endlich breit schlagen, den Mitarbeitern einen Zuschlag von 3,5% zu gönnen, aber nicht über eine Laufzeit von einem Jahr, sondern zweien! Und weil man ja dann doch nicht ganz so doof ist, wie der Vorstand aussieht, lässt man just drei oder vier Tage nach der Einigung die Bombe platzen – die Post will 8.000 Mitarbeiter rausschmeißen! So kann man die höheren Lohnzahlungen auch kompensieren! Dafür wird dann aber für die restlichen Mitarbeiter die Arbeit eben „verdichtet“, also nach unternehmerischer Lesart „Synergien“ geschöpft, denn die Rausgeworfenen werden ja nicht ersetzt durch neue Mitarbeiter. Nee, das bleibt an den übrig gebliebenen hängen!
Oder nehmen wir das Beispiel Deutsche Bahn. Der Tarifvertrag der EVG läuft Ende März 25 aus. Wegen der Bundestagswahl wurden die Tarifgespräche vorgezogen und sie verliefen – zugegebenermaßen – recht geräuschlos! Aber auch hier das gleiche Bild! Oder ähnlich! Der Arbeitgeber jammert und weint, er brauche „Planungssicherheit“ für die Sanierungsphase und dann das viele Geld, dass das alles kostet, da muss doch diesmal ein bescheidenerer Schluck aus der Pulle möglich sein, oder? ODER? Schließlich hatten wir die vergangenen Jahre auch kaum Inflation. Warum dann aber alles so teuer geworden ist, mag sich manch einem nicht wirklich erschließen! Und dann dauert so eine Sanierung, die übrigens 30 Jahre Unions-Politik durch ihr Kaputt-Spar-Programm bei der Bahn verursacht haben, einige Jahre und so lange darf keiner mehr Geld erhalten als unbedingt nötig! Also ließ sich in diesen Falle die EVG über den Verhandlungstisch ziehen und ließ sich auf ein paar Prozent plus ein, verteilt auf zwei Erhöhungen in zwei Jahren ein. Obwohl die Tariflaufzeit wie erwähnt schon Ende März 25 endet, kommt die erste Erhöhung natürlich nicht direkt danach, sondern erst im Sommer, also 4 Monate danach. Die nächste noch einmal ein Jahr später, auch im Juli und dann geht es erst wieder weiter im Dezember 2027, wenn die Laufzeit dann wieder enden soll! Wenn man es genau betrachtet, zahlen die Mitarbeiter der Bahn also mit dem „Verzicht“ auf angemessene Lohnerhöhungen die Sanierung der Bahn! Ob die Vorstände genauso bescheiden sind und auf ihre exorbitanten Prämien verzichten, während dieser Zeit, dürfte klar sein! Eher nicht!
Und da frage sich noch einer, wieso eigentlich die Arbeitnehmer mittlerweile bereit sind, ihre Arbeitsplätze schneller zu wechseln, als andere Leute ihre Unterhosen? Aber bei Post und Bahn setzt man auf die „Treue“ der Mitarbeiter, die schon dableiben werden, denn ihnen liegt was am Unternehmen und weniger am Lohn! Die können ja aufstocken, wenn die Knete nicht zum Leben reicht!
Links:
- Nach Tarifeinigung – Deutsche Post streicht 8.000 Arbeitsplätze (Artikel auf tagesschau.de vom 06.03.2025)
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