Gerade las ich im Spiegel über den Gehaltsreport, dem man irgendwie entnehmen kann, wie viel in den einzelnen Berufen den Mitarbeitern bezahlt wird. Jedenfalls im Median. Der sogenannte Median ist die Grenze eines Einkommens, von dem aus gesehen genau 50 % drunter liegen und 50 % drüber. Es sagt also über die tatsächliche Höhe der Einkommen so gut wie fast überhaupt nichts aus. Du weißt im Zweifel lediglich: „Okay, ich liege über, oder unter dem Median!“ Nicht mehr und nicht weniger. Aber es ermöglicht einem schon in etwa einen Vergleich mit anderen Berufsgruppen und da stechen, mir zumindest, als erstes einmal die Einkommen der andauernd und vor allem besonders lautstark jammernden Ärzteschaft ins Auge. Dabei sind die an der Spitze der Nahrungskette zu finden. Aber genau daran möchte ich jetzt meine Geschichte fest machen. Bestimmt könnt ihr einige meiner Erfahrungen teilen, vielleicht auch nicht. Lest sie euch einfach mal durch und urteilt dann selbst.
Aus gesundheitlichen Gründen habe ich häufig Arzttermine wahrzunehmen, meist bei meinem Hausarzt. Vorsorge, Impfungen, Rezepte bestellen und abholen, Überweisungen ausstellen lassen und so weiter und so fort. Dafür ist mein Hausarzt da – sagt er zumindest. In der Praxis aber ist er dann doch, trotz Terminen, einfach nicht da. Ich stehe vor verschlossenen Türen. Bestenfalls ein schluderig mit Hand geschriebener Zettel, weist darauf hin, dass die Praxis leider geschlossen sei! Das man mich anriefe weil man weiß, dass ich einen Termin habe um mich netterweise darauf hinwiese, dass ich nicht kommen brauche, weil ja geschlossen ist, geschenkt. So viel Arbeit macht sich das Praxispersonal meines Hausarztes nicht. Schließlich merke ich ja, wenn die Türe zu den Praxisräumen nicht öffnen lässt, was dann fast zwangsläufig zu der Erkenntnis meinerseits führen sollte, dass hier heute nichts zu holen sein dürfte! Neulich erst, vor Weihnachten, hatte meine Frau Erkundigungen in der Praxis eingeholt, bis wann denn vor den Feiertage geöffnet sei, um für die Weihnachtsruhe genug Medikamente bevorraten zu können. Bis Freitag den 22.12. sei man für die Kunden bzw. Patienten da, hieß es und richtig, als wir am 19.12.24 zu unserem Hausarzt fuhren um Rezepte zu holen – war die Praxis bereits geschlossen. Eine Nachricht aufzuhängen, wieso und warum hatte mal wieder niemand für nötig erachtet! Also hin zum Vertretungsarzt, der üblicherweise einspringt, wenn der Hausarzt zu hat und dort haben wir erfahren, dass der nichts davon wusste, dass dort schon geschlossen sei. Natürlich sprang er uns bei und gab uns Rezepte. Aber nur in der kleinstmöglichen Menge, so dass wir sofort nach den Feiertage wieder in die Praxis unseres Hausarztes stürmen mussten, um uns medikamentös zu versorgen. Natürlich kostet das dann wieder extra Rezeptgebühren, aber was wäre mein Hausarzt für ein Hausarzt, wenn ihn solche Lappalien kümmerten?
Meine Laune sinkt angesichts solcher Frechheiten mit einer Geschwindigkeit, die kaum noch zu bremsen ist. Gottseidank nehme ich auch Blutdrucksenker, sonst wäre vermutlich schon meine Herzarterie geplatzt. Aber das ist ja noch lange nicht alles. Eine der Lieblingsbeschäftigungen meines Hausarztes ist es, mir zu erzählen, wie schlecht es ihm doch finanziell gehe und wie furchtbar die Bürokratisierung doch ist und erst die Dokumentationspflichten gegenüber Krankenkassen und Gesetzgeber. Dazu kämen noch die immens langen Arbeitszeiten und vor allem die undankbaren Patienten, an denen man nichts verdiene. Ich darf an dieser Stelle anmerken, dass ich Gebäudereiniger bin, kein Psychotherapeut für arrogante und vor allem gestörte Ärzte. Dennoch darf ich mir auch ständig anhören, wie arm man als Arzt doch so sei und wie gut in der Gbäudereinigung ja im Allgemeinen bezahlt würde. Meinen freundschaftlichen Rat, sich gerne für zwo oder drei Wochen bei mir im Geschäft zu melden um sich einmal einen Überblick über die Tätigkeiten und die Einkommensmöglichkeiten zu verschaffen, wollte er bislang jedoch nicht annehmen. Ich warte bis heute vergeblich auf sein Erscheinen. In meinem Bereich werden Gebäudereiniger:Innen ausgebildet und ich sorge dafür, dass die Leute das Lernen, was sie wissen und können müssen. Wenn ich aber nun meinen Median beim Einkommen mit dem meines Hausarztes vergleiche, so muss ich zu meinem großen Bedauern feststellen, dass er trotz seines endlosen Geheules mehr als doppelt so viel verdienen muss wie ich, wahrscheinlich sogar noch deutlich mehr.
Andererseits wundere ich mich bei der Art seine Praxis zu organisieren und zu führen, über gar nichts mehr. Seine zwei (2!) Sprechstundenkräfte, von denen eine lediglich am Schreibtisch sitzt und den Inhalt der nebenan liegenden Bäckerei komplett zu fressen scheint, sind erklärte Impfgegner:Innen, denen nichts ferner liegt, als einem einen Impftermin zu geben, um den man sie bittet. Impfen sei immer so eine Sache, dürfen meine Frau und ich uns immer anhören. es sei gefährlich, die Corona-Impfung nicht ausreichend erprobt und sie selbst würden sich nie impfen lassen. Wir aber schon und ständig diese Diskussionen ermüden einen wirklich. Als ich mich wegen ihnen beim Arzt beschwerte, zuckte er nur müde mit den Schultern, ganz so, als wäre dies hier nicht seine Praxis, sondern die der beiden Amseln am Tresen. Vor einem dreiviertel Jahr sprach ich beim Landratsamt vor, um einen Grad der Behinderung (GdB) zu erlangen. Schließlich bin ich vorerkrankt und auch sonst könnte es mir besser gehen. Dazu lastet das Alter zunehmend auf meinen schwachen Schultern und es könnte mir ein bisschen helfen, wenn ich mit dem Auto dort parken könnte, wo ich etwas besorgen muss, wenn ich in die Stadt gehe. Nach einem halben Jahr schrieb ich ans Landratsamt (und das nicht sehr freundlich!) und frug nach, wieso in Sachen GdB nichts passiere. Bereits ein paar Tage später erfuhr ich mittels amtlichem Schreiben, dass mein hoch verehrter Hausarzt noch nicht einmal auf die dritte Mahnung zur Bearbeitung meines Antrags reagiert habe (Kopie dieses Schreibens lag natürlich auch bei!). Also eilte ich zu meinem Arzt und stellte ihn zur Rede und er erklärte mir mit Tränen in den Augen, er sei auf Grund von Überlastung nicht in der Lage, meinen Antrag zu bearbeiten, obwohl seine Praxis an diesem Tage gähnend leer war und seine beiden Sprechstundenhilfen sich gelangweilt in ihre Stühlen herum wälzten. Meine Frage, wann ich denn mit seiner Gunst und Zuarbeit rechnen könne, erhielt ich die Antwort, das könne durchaus 1 Jahr dauern, oder anderthalb. Er komme einfach nicht dazu! Ich war restlos begeistert und fragte zornbebend beim Landratsamt nach, wie ich denn gegen diesen Lauser vergehen könne und erhielt – keine Antwort! Und so sitze ich hier in meiner Bude, schreibe diese Geschichte nieder und ärgere mich über das deutsche Gesundheitssystem schwarz. Nächste Woche habe ich wieder einen Termin und dann werde ich ihn nicht noch einmal so einfach davon kommen lassen! Ach ja, und an allem ist natürlich die Ampel-Koalition schuld und Rettung brächte allein die Wahl der FDP!
Links:
- Gehaltsreport – So viel verdienen Ärzte (und so viel Beschäftigte in der Gastronomie) (Artikel auf spiegel.de vom 08.01.2025)
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