Zunächst war ich begeistert, als ich von einer Entlastung bei den Stromkosten hörte. Aber ich hatte bei den ersten Meldungen wohl nicht richtig hin gehört. Vermutlich war da der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Natürlich soll es eine Entlastung bei den Stromkosten geben. Aber doch nicht bei den Kunden, also den Endverbrauchern. Nein, die Unternehmen sollen entlastet werden, wegen der Konkurrenzfähigkeit und der Standortsicherheit. Aber für die Omma und den Oppa, die Papas und Mamas, mit kleinen Renten, mittleren oder gar keinem Einkommen? Keine Spur. Irgendwer muss den ganzen Scheiß ja bezahlen und warum dann nicht die Bürger? Dafür gibt´s auch keine Steuererhöhung, vielleicht, andererseits, wer weiß?

Nun also die Unternehmen, die Konzerne, besonders die energieintensiven, was ja einigermaßen verständlich scheint. Die Strompreise in Deutschland gehören weltweit mit zu den höchsten überhaupt. Trotz oder vielleicht gerade wegen der regenerativen und umweltfreundlichen Energiequellen wie Sonne – besonders im Winter und erst recht nächtens, wenn der Vollmond fett wie ein Käse am Himmel hängt und die Solarpanels in seinem trüben Licht funkeln lässt, wie kleine nutzlose Diamanten – oder Wind – der allerdings oft nur dann wehr, wenn man ihn nicht braucht und wenn doch, dann zu stark und vor allem dort, wo es keine Industrie gibt, sondern „umweltbewusste“ Wutbürger lautstark die „Verspargelung“ der Landschaft beklagen – wobei man berücksichtigen muss, dass sich wohl Fast jeder eine Solaranlage auf´s Dach klatschen kann (unter der Voraussetzung, er hätte denn ein Haus zu eigen!), aber beileibe nicht jeder darf sich ein Windrad auf den Acker oder in den Garten stellen (denn hier würde der Umweltschutz und die Nutzung regenerativer Energien eine Winzigkeit zu weit gehen?).

Also, Schwamm drüber. Die Grünen möchten sich mit einer Quote von etwa 50% Anteil regenerativer Energien aus Wind und Sonne brüsten, manchmal auch mehr, gelegentlich jedoch deutlich weniger, und den Nutzen für die Natur und die Umwelt hervorheben. Über die Leute, die diese Hirngespinste bezahlen müssen, spricht man eher nicht so gern. Aber die Unternehmen, die Wirtschaft, also jene, deren Produktion in aller Regel genau das ist, was die Umwelt am meisten belastet, die heulen – nach Jahren und Jahrzehnten brillanter Geschäfte und exorbitanter Gewinne – herum wie die sprichwörtlichen Schlosshunde und drohen mit Abwanderung, Insolvenzen und Massenentlassungen, wenn man nicht sicherstellt, dass das genauso weiter geht wie bisher. Und wenn VW droht, oder der Daimler, BASF oder Bayer, dann hat das schon Gewicht! Also gibt man dem Geheule nur allzu gern nach und tut, was der Wirtschaft nutzt und frommt! Ob´s den Bürgern gefällt oder nicht, ist den meisten Politikern scheißegal! Dafür kann ich mir ja im Zweifel eine Mini-Solaranlage an die Brüstung meines Balkons hängen und mich über drei oder vier Watt extra in der Steckdose freuen. Vorausgesetzt, ich kaufe das Teil aus eigener Tasche, habe mir die Genehmigung von der Kommune und dem Vermieter besorgt und dann auch noch einen Balkon, der eine günstige Lage hat. Wenn nicht? Ja dann eben nicht! So einfach ist das. Aber ich könnte mir in meiner Mietwohnung vielleicht auch eine Wärmepumpe einbauen. Womöglich mit Förderung durch den Staat, sollte Habecks Heizungsgesetz nicht doch im Orkus der Geschichte verschwinden. Aber habe ich als Mieter überhaupt die Möglichkeit dazu? Oder muss ich den Vermieter um Erlaubnis fragen und wenn er dies genehmigt, muss ich dann – wegen der besseren Energiebilanz – mehr miete abdrücken und beim Auszug das Ding dort einfach stehen lassen? Ach, Fragen über Fragen und keine Antworten die mich zufrieden stellen würden. Aber die Industrie, die muss entlastet werden, das ist klar!

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