Wo nimmt jemand mit dem Charisma einer Klobürste diese Chuzpe her? 47 %? Und von was träumen sie nächtens eigentlich, Frau Esken? Die meisten Menschen werden auf Grund ihrer „Prognose“ eher an Realitätsverweigerung denken, als an Tatsachen. Dass die SPD-Führung nirgends Fehler sieht, vor allem bei sich selbst nicht, sondern nur bei anderen, ist nun auch keine wirklich neue Erkenntnis. Wenigstens stellte sich Frau Esken den Jusos, um sich ein paar verbale Maulschellen abzuholen. Aber Fakt ist auch, dass sie nur äußerst ungern zugeben mochte, dass die Kandidatenkür des Spitzen- und Kanzlerkandidaten „nicht ganz optimal“ gelaufen sei. Wenigstens das ließ sie sich gerade noch so entlocken, mehr aber auch nicht.
Angesichts ihres „Glaubens“, einen „überwältigenden“ Wahlerfolg der SPD erwarten und erkennen zu können, frägt man sich unweigerlich, was sie vor dem Interview eigentlich geraucht hat. Die Aussage „Wir haben wahrgenommen, dass wir ein Wählerpotenzial haben, das immer noch bei 47 Prozent liegt“, lässt durchaus an ihrem Verstand zweifeln. Aber, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Solchem Selbstbetrug erliegen auch die Spitzenleute anderer Parteien nur allzu gern. Das muss in der Natur der Sache liegen.
Schaut man sich die erfrischenden und forsch-fröhlichen Auftritte des Juso-Vorsitzenden Philipp Türmer in den letzten Tagen an, freut man sich schon auf die Forderungen, die er an die Parteiführung stellen möchte. Wie groß das Entgegenkommen von dieser Seite sein wird, wollen wir in diesem Moment einmal dahingestellt sein lassen. Insgeheim dürfte die Neigung der SPD-Spitze eher dahin gehen, den Jungen mit der rotzfrechen Attitüde irgendwann genauso einzufangen und glatt zu bügeln, wie man das mit Andrea Nahles gemacht hat und/oder mit Kevin Kühnert. Die waren zu Juso-Zeiten auch noch links, aufrührerisch und rotzfrech. Heute sind sie (im Fall der etwas breit gewordenen Frau Nahles) in Amt und Würden als Chefin des Arbeitsamtes und beachtlich ruhig geworden und im Falle Kühnerts aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres aus dem Dienst als Generalsekretär der SPD ausgeschieden! Wahrscheinlich geht man davon aus, den sozialistisch anmutenden Türmer auch so einzufangen und zu zivilisieren. Schade eigentlich, denn die Jusos brachten und bringen gelegentlich schon ziemlich frischen Wind in die gesellschaftliche und politische Diskussion. Allerdings hört man das in der SPD-Spitze nicht ganz so gerne!
Links:
- Newsblog zu Neuwahlen – Esken sieht SPD-Potenzial bei 47 Prozent (Artikel auf t-online.de vom 25.11.2024)
- SPD-Vorsitzende im ZDF-Interview – Esken sieht Potenzial der SPD bei 47 Prozent (Artikel auf zdf.de vom 24.11.2024)
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